Vor kurzem hatte ich sporadischen Kontakt zu einem Psychologen; nicht offiziell sondern in einem ganz persönlichen Zusammenhang: Wir flirteten miteinander. Das Angenehme daran war, dass es von Anfang an nur um den Vorgang des Flirtens selbst ging. Uns beiden war klar, dass es diese Stufe nicht überschreiten wird und so war unser Gespräch sehr unbefangen. Er erklärte mir zum Beispiel was so reizvoll an der Koketterie ist und wieso junge Leute dazu in der Regel nicht in der Lage sind. Er war alt. Doch das Alter ist relativ.
Mit Anfang 20 wollte ich keine 30 werden. Heute freue ich mich darauf, denn ich bin inzwischen davon überzeugt, dass mir die besten Jahre noch bevorstehen. Ich wollte nie Kinder haben, werde auch nie welche haben, doch die Gründe haben sich geändert. Inzwischen bin ich Onkel und überlege, wie ich meinem Neffen die Kindheit versüßen kann. Man erkennt sich selbst nicht wieder und wird übermannt, wie so oft im Leben. Man hat einfach nicht alles in der Hand.
Schaue ich auf meine letzten Jahre, so stellen sich einige Rätsel auf, die aber doch irgendwie einen Sinn ergeben. Inzwischen fällt mir auf, wie alt ich geworden bin. Man sieht Autos vor sich fahren, die im Kennzeichen eine 91 als Ziffer haben. Überall sind Leute die jünger sind als ich und es werden stetig mehr. Man fühlt sich überrannt.
Eigentlich ist es paradox: Ist man dünn, findet man kaum jemanden schön; hat aber sehr viel Sex. Ist man dick, ist das umgekehrt. Menschen jeden Alters sind da oberflächlich. Man sollte deshalb nicht versuchen einen Zusammenhang herzustellen. Man sollte lediglich sich selbst fragen, was einem denn eigentlich wichtig ist.
Ist es die Jugend, die Schönheit, der Erfolg, das Geld? Oder doch nur die eigene Befriedigung, das Glück, die Gesundheit, der eigene -nicht immer klare- Weg?
Ich danke meinen Freunden und all denen, die mich unterstützen. Ich erinnere mich an unsere erste Begegnung und bin tatsächlich ein wenig traurig nun hier allein zu sitzen.
Allein? Nein!
Irgendwo sitzt ihr und denkt an mich, beschenkt mich reich.
Diese Koketterie, die gönn’ ich mir.
Auf ein Wiedersehen!

