Sprachlos

Ich bin derzeit wirklich sprachlos. Wir warten nun einmal die Bundestagswahlen ab.

Bitte geht wählen und tut das überlegt!, was nicht immer bedeutet, dass man seinen Impulsen folgt. Das Wahlrecht ist deutlich komplizierter. Wie die Liebe eben.

Ich drücke die Daumen und wünsche uns nur das Beste. Dir und dir und dir und dir, ich sollte einfacher euch oder uns sagen.

Gute Nacht Deutschland! Liebe Grüße nach LA….Zeitverschiebung und son Kram…

Wie es hier wohl mal weitergeht?!

Fest steht: Es wir weitergehen. Demnächst. Irgendwann und irgendwie. Bald. Bestimmt. Spätestens dann morgen oder übermorgen oder einige Tage später. Zunächst wird es einen geschützten Beitrag zum familiären Höhepunkt des Jahres geben. (Lange wurde hier und anderswo felißig mitgefiebert und unterstützt, dafür will ich in einem ganz persönlichen Beitrag “Danke!” sagen.) Dann wird es einige Gedanken zu meiner Zukunft geben und an der ein oder anderen Stelle umstrukturiert. Es werden neue Personen -auch und gerade hier im Blog- auftauchen. Das Bühnenblog wird alsbald zurück an den Start gehen und sich in eine Art Wochenmagazin wandeln; ich will mir den Sonntag fürs Theater freihalten und hoffe es klappt. Überhaupt will ich mich endlich mehr strukturieren und auch mal -wie viele andere- mehr in einem Stück an einer Sache -vorzugsweise einem Stück- arbeiten und nicht alles durcheinander betreiben. Das Traumblog wird einerseits sich selbst überlassen, demnächst aber wohl auch etwas für die digitale Literatur tun, indem dort Klassiker häppchenweise wiedergeträumt werden: den Anfang wird wohl Schnitzlers Traumnovelle machen. Vordergründig möchte ich mich aber mehr und mehr in meinem eigenen Schreiben verständlicher machen, vor allem mir selbst. Doch vorerst muss ich mich um meine liebe Oma kümmern, die nach einem leichten Herzinfarkt im Krankenhaus liegt. Ihr geht es aber gut, kein Grund mehr zur Sorge. Sodenn: Weitermachen!

Zwischen Liebeswirren und Hochzeitswahn

Am Freitag ist es nun soweit, die Hochzeit meines Bruders steht an. Gefeiert wird auf einem kleinen Schloss in Mecklenburg, dass vielmehr mit unserer Kindheit zu tun hat, als wir zunächst ahnen konnten. Hier im Blog gab es die letzten vierzehn Tage kaum etwas zu erfahren, ein wenig mehr immerhin noch auf Twitter, doch auch hier galt schon lange Sicherheitsstufe N° 1 und der Account wurde vor allzu neugierigen Blicken geschützt. Doch nicht etwaige Überraschungen waren und sind Auslöser für die Verschwiegenheit, es gibt einfach auch eine Menge zu tun. So habe ich am Donnerstag noch eine Klausur für die ich nun noch so gut wie nichts vorbereitet habe. Dafür habe ich aber an anderer Stelle eine Menge geschafft und vor allem das ein oder andere Etappen- und Endziel erreicht. Ich fühle mich seit langem mal wieder rundum wohl, wenn auch recht müde. Man glaubt ja gar nicht, wieviel Stress so eine Hochzeit ist – zumindest für die Menschen hinter den Kulissen. Sie alle lesen mit. Ich freue mich. Bis Freitag, wenn sich der Stress in Freude auszahlt. Ich werde berichten und danke denen, die mir mental aber auch finanziell beistanden und so einiges möglich machten! Ich werde berichten…

Im Übrigen habe auch ich jemanden zwischenzeitlich kennengelernt, aber das ist ein ganz eigenes Kapitel für sich und wird hier noch ne Weile aussen vor bleiben, denke ich

Projekt #trmblg: Ich bin erschrocken…

und ratlos. Wundere mich: “Träumt denn niemand mehr?” oder ist die Schwellenangst zu groß?
Dabei wär das Traumblog gerade jetzt auf die Mitwirkung vieler angewiesen. Es ist richtig, ich habe es mehrmals angekündigt und dann wieder Offline genommen. Ich habe mehrfach umdisponiert, bin aber auch kein Technikprofi und probiere herum: Ich hatte nur diese Idee und versuche nun, sie bestmöglich umzusetzen. Ohne Träume wird alles scheitern!

So fordere ich Euch auf, mich zu unterstützen! Das Traumblog erreicht man inzwischen auch unter http://www.trmblg.de

Mitmachen ist noch einfacher: Man folgt dem Traumblog auf Twitter und sendet seinen Traum per “Direct Message” (DM) oder hängt ganz einfach an jeden traumhaften Tweet den Hashtag #trmblg

Träumt auf trmblg.de

Anton (Endfassung)

Im Rahmen meines Studiums ist in den letzten Monaten ein Text entstanden, der Anfang Oktober auf einer Lesung vorgestellt werden soll. Der Text liest sich wie folgt:

Sie sagen es!

Jetzt läuft er durch die Straße und zündet ein Haus nach dem anderen an. Wir hören Schüsse und Schreie. Ein Krieg des Wahnsinns ist im Kleinen entbrannt. Direkt vor unserer Tür.

„Bei einem Sommerregen sollte man nackt hinaus gehen!“

Er zog sich die Hosen aus, schaute in den Spiegel, zuckte die Schultern und ging durch diese Tür – ich zeige direkt mit dem Finger auf ihr [sic!?]. Ich ließ Sie gerade eben durch sie herein.

(Und es ward Licht. Das Kind schob den Kopf in die Welt. Verschmiert von Blut und Gewebe. Seine Mutter schrie. Presste mit aller Wucht die Frucht aus dem Leib.)

Frisch gestrichen: Eine Wohnung bietet Schutz. Zeitgleich zitiert jemand Unbekanntes, in der Ferne kaum hörbar, Artikel 13 Grundgesetz.

Damals war die Wohnung für eine halbe Stunde leer. Mehrere Männer kamen herein -Fremde, so wie Sie- installierten Unmengen an Technik. Die Eingangstür war leicht zu knacken – sie geben es auch ganz öffentlich zu:

————-“Es war ein leichter Job!“———- hören wir den Chor. Vor dem geöffneten Fenster stehen die als Shantychor getarnten Polizisten. Die Kulisse zeigt den Hafen einer kleinen Stadt. In einem Sondereinsatzkommando will niemand erkannt werden. Ein paar ihrer Vornamen werde ich aber nun im Vertrauen nennen: Marco, Felix, Sascha, Flo und Alexander. Den Abend zuvor feierten sie den Abschied von einem vergessenen Kollegen. Ihn plagte sein schlechtes Gewissen.

Riecht nur! Durch den Raum wabert ein beißend-süßlicher Geruch. Er kommt von nebenan.

Gerade hören wir wieder einen Schuss. Erst später erfahren wir von der Trauer der Eltern, deren Kind leider etwas zu klein war. Bei dieser Größe war sein Kopf unverfehlbar. Das Kind sackte auf dem nassen Asphalt zusammen, keuchte und fürchtete sich noch für einen kurzen Moment. Seine Qualen sind hier nicht beschreibbar. Die Eltern trauern um ihren Anton. Unwissend, dass ein Polizist ihn getötet hat. Ihr Opfer ist tot. Anton (9 Jahre) schloss seine blauen, traurigen Augen. (Für immer.)

Der einzige Familienvater in der Truppe wird an Selbstvorwürfen zerbrechen. Es beginnt wie so häufig mit Alkohol. Doch stoßen wir an dieser Stelle im Text erst einmal gemeinsam an, wir bilden nun schon ein paar Minuten eine Gemeinschaft, ließen uns aufeinander ein, vertrauten einander schon kleine Geheimnisse an: Prost einander!

Während wir trinken, sinkt Wagner unten auf der Straße leblos zusammen. Getroffen von nur einem Schuss. Er war sich seiner Schuld bewußt.

Wir trinken einen hervorragenden Tropfen Alkohol. Wagner brannte ihn nach einem alten Familienrezept. In der Kammer nebenan, in der ein paar Schaben soeben einen Laib Käse belagern, stehen die Kolben, die er dafür benutzt hat. In einem davon eine Maus. Sie muss unverhofft hineingefallen sein. Der Kolben so eng, dass sie mit der Schnauze vorran sich die Nase plattdrückt. Sie kann sich nicht drehen. Auf dem Anus kleine Bissen aus dem Käselaib. Die Mäusefamilie versuchte zu helfen. Sah dann aber weg.

Wir träumen nicht, all das ist wahr. Geht hinüber und seht nach! Überzeugungen wollen gewonnen werden. Erfahrungen müssen erlebt werden. Erlebnisse wollen erfahren werden.

Im Zweifel klammert man sich an einen Mäuseschwanz und rettet nebenher ein Leben. Einer von euch hat Mitleid. Aus dem geöffneten Fenster fliegt eine fast verhungerte Maus. Sie überlebt. Auf der Straße kreischt ein unprofessioneller Shantychor. Einer der Polizisten springt sogar panisch ins Hafenbecken. Er wird ertrinken, wenn niemand ihn rettet. Ich tue es nicht! Und niemand sollte diesen Raum verlassen. Draußen ist es noch immer zu gefährlich.

In der Wohnung nebenan vergewaltigt ein Mann seine Freundin. Fenster und Türen sind geschlossen. Er schlägt ihr mehrfach ins Gesicht. Jeder Verdacht schien unbegründet. Auf der Straße laufen in Panik Menschen vorbei. Wir haben beschlossen, niemanden mehr hereinzulassen: Es war euer Entschluss!

Um uns herum geschehen grausame Dinge, wir ziehen uns bewußt zurück:

Sehen wir dem Wurm beim Fressen zu. Wie er sein Kauwerkzeug in die gallertartige Masse schlägt, einen fast zu großen Fetzen herausreißt und in den viel zu kleinen Körper hineinzwängt. Stellen wir uns ein beleibtes Mädchen vor, das ein leberwurstfarbenes Engkleid trägt; rote Pumps an den mit Hornhaut überzogenen Hacksen. Ihr ganzer Körper ein einziger Schlund, ein Schlauch der längst keine Nahrung mehr erträgt. Der würgt und ächzt, an der Nahrung fast erstickt. Ein Brei, der kein Ende findet: Der Wurm legt sich einen Vorrat an.

Wenden wir den Blick, dessen Augen wir uns bemächtigen, kurz ab: Betätigen wir die komplizierte Mechanik, dreht sich der Kopf nach links. Regen tropft von den Haaren herab. Kein Kommilitone weit und breit. Erst gegen Ende der Geschichte werden sie wie Ameisen über diesen Platz, der sich vor unseren Augen erstreckt, wimmeln, und keiner von ihnen wird dann etwas von dem Wurm bemerken, der sich durch das Hirn eines ihrer Kommilitonen frisst. Sein Blut vom Regen längst verwaschen, liegt das junge Akademikerhirn angefressen auf den nassen Gehwegplatten. (evtl. hier die beschreibung eines bleichen körperbildes einfügen, dass sich nur durch den kontrast zwischen schamhaaransatz und blasser haut ins kollektive gedächtnis einbrennen wird!)

Es ist nicht erlaubt Fragen zu stellen, doch dem Täter wird unweit von hier auf die Schultern geklopft. Lasst die Leute reden, nur glaubt ihnen nicht. Das wahre Opfer, der Sündenbock, der Büßer, der heißt Anton W.

Die Ameisen kommen: Jede Geschichte fängt mit einem Ende an. Gehen wir ihre Straße entlang. Zurück zum Anfang:

Aus der Kammer kommend, laufen sie immerfort. Es kribbelt schon. Die Unruhe stieg. Plötzlich geschieht etwas Wundersames: Einige Ameisen ahnten es schon, als sie die Schabe vorbeieilen sahen. Mit einem Satz schnitt sie das fortwährende Geschehen ab; der Kopf merkte nichts und lief weiter, der Schwanz blieb zurück. Hineingepfropft in die ziellose Dunkelheit, erschöpfte er sich. Ein Kribbeln der Gebärmutterhaut. Die Ameisen betäubt durch Sekret und Säure schliefen letztlich ein. Zeit des Wartens verging. Wagner war nur noch eine Erinnerung. Anton sein einziger Sohn. Ein Kind, für dessen Abtreibung die Zeit fehlte.

Betrunken fielen sie über die junge, nicht gerade attraktive Studentin her. Einer nach dem anderen verging sich an ihr, immer brutaler gingen sie vor; Wagner war der Erste. Sie aber hasste alle und bekam das Kind.

Schließt jetzt die Augen und hofft zu träumen, es wird noch viel viel grausamer: Jeder kennt einen Nadelstich, den Geruch versengten Haars und verbrannter Haut. Nur wenige kennen den Geschmack von Exkrementen. Das Kind kannte nichts anderes. Es war stark.

In diesem Moment stürzt ein Körper aus dem Dachgeschoß der Bahnhofstr. 50. 2001 wohnte ich selbst in dem Haus. Noch heute habe ich den Geruch der Wohnung in meiner Erinnerung.

Es ist verrückt!

(Ich hätte beinahe vergessen: Die Tür war nicht grün.)