Oswald will kochen

Oswald wollte kochen. Pute mit Mischgemüse. Es war Sonntag. Gestern hatte er extra eingekauft. Oswald lief durch den überfüllten Supermarkt und hakte im Geiste seine Einkaufsliste ab. Oswald hatte sich zuvor ganz genau überlegt, was er alles für sein Sonntagsessen brauchen würde. Milch, Butter, Petersilie, Pute, Kartoffeln, Gemüse, Salz, Eier… Er ging durch die Gänge und legte alles in seinen Korb. Stellte sich schließlich an der Kasse an. Wartete geduldig. Wechselte die Kasse, weil es dort schneller voranzugehen schien. Oswald hatte Zeit und lauschte interessiert dem Gespräch der Oma vor ihm. Sie sprach mit der Kassiererin während sie mühsam ihr Kleingeld zählte um schließlich zu dem Entschluß zu kommen, doch lieber mit Karte zu bezahlen. Sie bestätigte diesen Entschluß nach einem nochmaligem zählen des Kleingeldes, wobei ihr gealzheimert die Geheimzahl wieder einfiel. Oswald hatte seine Sachen und freute sich auf das Essen. Nun wollte er also kochen. Er bereitete die Pute vor, schälte die Kartoffeln, präparierte das Gemüse. Er war allein. Die Nachbarn verreist. Es war Ostersonntag. Oswald hatte nur noch einen Streichholz. Der zerbrach und ging aus ehe er das Gas entzündete. Oswald kann gut kochen. Er ist kurzsichtig und nicht ganz planlos. Er hat einen Gasherd, ist Nichtraucher und zu dick. Sagt er jedenfalls. (zugetragen vor kurzem. namen geändert, ähnlichkeiten zu noch-lebenden oder nicht-lebenden personen sind möglich aber nicht zwingend)

Oswald, der Schussel

Oswald hatte es eilig. Er war auf dem Weg ins Theater. Nacheinlaß gab es nicht; die Verkehrsbetriebe wußten dies und ließen sich wiedermal Zeit. Oswald schaffte es dennoch rechtzeitig. Im Theater angekommen vermisste er wie so oft seine Brille. Vorhin hatte er noch dran gedacht. Er wollte sie diesmal unbedingt mitnehmen. Deshalb hatte er sie extra zu den Karten gelegt. Jetzt war die Brille nicht da. Oswald saß im Theater ohne Brille. Er brauchte sie nicht. Das Stück war nicht sehenswert. Es beruhigte ihn zwar, doch stellte er sich die ganze Zeit die Frage, wo seine Brille geblieben war. Er dachte er hätte sie eingesteckt. Nicht das erste Mal das Dinge spurlos verschwunden sind: Erst neulich ist seine Mütze verschwunden. Oswald ging nach Hause. Doch wo war sein Schlüssel? Am nächsten Morgen entdeckte er, dass sein Mantel zwei Innentaschen hat. Die Brille saß auf seiner Nase… Oswald ist immer noch kurzsichtig. Oswald ist manchmal schusselig. Oswald bemerkt nicht immer alles gleich. Oswald schläft hin und wieder woanders. (zugetragen vor einer, drei, fünf und … wochen. namen geändert, ähnlichkeiten zu noch-lebenden oder nicht-lebenden personen sind möglich aber nicht zwingend)

Oswald ist verliebt

Oswald war in Paris – im Moulin Rouge! Er war ja mal verheiratet, aber das hat er vergessen- das ist ihm fremd. So fremd wie ein anderer Planet. Oswald ist demnach auf einem anderen Planeten. Wie dem auch sei: Er war in Paris, im Moulin Rouge. Dort traf er jemanden. Jemanden der sein Gefallen fand -haben sie sich doch verstanden, ganz ohne Worte- das Moulin Rouge ist so laut wie verträumt. Doch Oswald ist hingegen stumm, er hat Angst vor zu vielen Worten, er hat seine Erfahrungen; muss gefordert werden! Oswald war traurig und enttäuscht! Er ärgerte sich und war ruhig, zu ruhig. Das Moulin Rouge war laut! Er wartete auf seinen Zug, doch der war bereits abgefahren. Und so wartete er, bis jemand kam und ihn nach Hause brachte…

(zugetragen irgendwann, namen geändert, ähnlichkeiten zu noch-lebenden oder nicht-lebenden personen sind möglich aber nicht zwingend)

Oswald im Chronominator

Oswald kam von einer Party. Eigentlich wollte er ja gar nicht weggehen. Er ahnte wie es enden würde. Komische Leute, anstrengende Gespräche, zwanghafte Freundlichkeit. All das war ihm zuwider. Doch er ließ sich überreden. Was sollte er auch zu Hause, dachte er sich. Er hätte ja nichts zu verlieren, dachte er sich. Die Party war vorüber und er machte sich auf den Heimweg. Es war noch dunkel, als er in die Bahn stieg. Plötzlich geschah etwas seltsames: Kleine Enten tauchten auf und erzählten Oswald lustige Geschichten. Oswald genoß ihre Gesellschaft. Er fühlte sich wohl. Bis eine knarrende Stimme, die Oswald fragte, ob er denn nicht zu Hause gackern könne, die Enten verscheuchte. Ob er denn kein Zuhause habe, fragte sie. Und das es doch überhaupt eine Zumutung wäre, sagte sie. Oswald schreckte hoch und stieg aus. Es war hell. Oswald ging nach Hause und suchte nicht die verlorene Zeit. Er ahnte wie es enden würde. Oswald wohnt in Berlin. Dort gibt es einen Chronominator. Oswald ist ein Träumer. Ein realistischer Träumer. Doch die Stadt schläft nie! Manchmal ist er einfältig, selten kreativ. (zugetragen ab und an und vermutlich irgendwann mal wieder zu später stunde in der ringbahn, namen geändert, ähnlichkeiten zu noch-lebenden oder nicht-lebenden personen sind gewollt, beabsichtigt und berechtigt)

Oswald auf Besuch

Oswald besuchte seinen ältesten Freund Vladimir. Er kannte ihn noch aus der Schule. Vladimir war der einzige mit dem Oswald noch Kontakt hatte aus dieser Zeit; selten aber doch regelmäßig. Einmal im Jahr. Immer am dritten Advent. Immer in Vladimirs Haus am Meer. Oswald mochte Vladimir, auch wenn ihn die Besuche mitunter anstrengten. Sie beide waren grundverschieden, aber deswegen mochte er ihn. So saßen sie beim Essen und redeten; über das vergangene Jahr, über die gemeinsame Zeit – früher. Sie schauten Dias an, wie sie es immer taten; der alten Zeiten wegen. Sie tranken ein Glas Wein und diskutierten über die Bedeutung des Wortes "defensiv", welches Vladimir falsch verwendet hatte. Vladimir sah dies anders und wollte es beweisen, so stand er auf um sein Lexikon zu holen. Als er gerade aufgestanden war hielt er inne. Vladimir besaß nur den zweiten Band des Lexikons, den von M-Z. Vladimir ist nur halb gebildet. Oswald hatte Recht, beharrte aber nicht darauf. Er kennt Vladimir und mag ihn. Oswald streitet nicht gern. Er diskutiert. Oswald war mal Diplomat. (zugetragen heute und an jedem dritten advent, namen geändert, ähnlichkeiten zu noch-lebenden oder nicht-lebenden personen sind teilweise gewollt, beabsichtigt und berechtigt)