Es ist soweit, Ospe und Taspe können erleichtert aufatmen und feiern. Aus Onkel und Tante in spe sind Onkel und Tante geworden. Der Fakt amüsiert sie, weil ihre Mutter nun eine offizielle Oma geworden ist. Als Oma altert man auf Schlag rapide, zumindest in der Vorstellung. Taspe lag in jeder Hinsicht daneben; kein Mädchen und Tim, so heißt der Junge der neuen Generation, wurde an einem ungeraden Tag geboren, nämlich heute um kurz nach zehn. Die Tante, also Taspe a.D. hatte nun jedoch den Auftrag, die Information zu streuen. So rief sie vorhin hier an und nannte mich Onkel, die Tante. Ich denk sie freute sich, die Uroma hat geweint und ich war müde. Es gab eine Zeit da war man selbst noch ganz frisch und unbeleckt auf dieser Welt. Jetzt gibt es da diesen kleinen Jungen, der das alles noch vor sich hat. Wünschen wir ihm mal das beste und tragen unsern Anteil dazu bei. Als Onkel und Tante steht uns die zweifelsfrei ehrenvolle Aufgabe des Verziehens zu. Darauf darf man sich freuen, man selbst hat ja keine Kinder. Will auch keine. Aber Onkel sein ist sicher schön. Ein schönes Wochenende! Ospe adé!
Published on 5. Mai 2007 11:50.
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“Kobaltblau!”
“Nein Lichtblau!”
“Kobaltblau!”
“Nein Lichtblau!”
So ging es schon eine gute Viertelstunde zwischen den beiden hin und her. Ein Tennismatch kann nicht aufregender sein. Ich wollte eigentlich nur eine neue Glühbirne aus dem Baumarkt holen, der direkt um die Ecke ist. Die Kühlschranklampe ist vor Monaten ausgegangen. Wochen später wieder an und dann wieder aus. Bis heute hatte ich es immer wieder vergessen für Ersatz zu sorgen, aber als ich vorhin so dasaß, dachte ich, bevor ich mir noch so eine dämliche Sendung im Fernsehen ansehe, gehe ich zum Baumarkt und hole eine Ersatzlampe für den Kühlschrank. Der wird sich sicher freuen wieder erleuchtet zu sein und ich bekomme meine Nahrung endlich wieder vernünftig präsentiert. “Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken.” dachte ich aus unerklärlichen Gründen und schnirkste los. Seit Wochen, die sich inzwischen zu Monaten versammeln ließen, hatte ich sie nicht getroffen; ganz unerwartet, ganz plötzlich standen sie dort im Gang mit den Farben. Dort im Farbengang hörte ich sie streiten. Ich erkannte sie sofort und ging in den Gang daneben. Ich schob einige Dosen beiseite um zu dem Ton auch ein Bild zu erhaschen. Wenn die beiden streiten ist es optisch höchst interessant zu verfolgen. Worte sind das eine, die Taten das andere. Kobaltblau flog in den Korb. Sie sprachen danach kein Wort mehr – bis zur Kasse. Dann aber lachten sie und freuten sich auf den kleinen Jungen, den sie formen wollen.
Published on 22. April 2007 05:10.
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Morgens um acht war es als ich am KADEWE vorbeiging. Ospe war nicht zu sehen, aber seine Stimme war es, die ihn verriet. Er war in eine große Box Textilien versunken, in die er sich kopfüber hineingestürzt hatte um auch ja kein Schnäppchen zu verpassen. Winterschlussverkauf war seit zwei Jahren abgeschafft, heute hieß es Sale. Die Sale Sharks spielen ja heute auch in Stockport. Immerhin.
„Taspe, hast Du was gefunden?“ rief Ospe aus seiner Box. Er musste dem Klang nach ziemlich tief versunken sein. „Nein!“, brüllte Taspe zurück. Erst jetzt bemerkte ich auch sie. Es war mir rätselhaft wieso ich sie nicht schon früher an dem Pfeiler stehen sah. Sie studierte das angeschlagene Angebot, in der einen Hand ein überdimensionales Butterbrot, belegt mit Roquefort und Ruccola; in der anderen einen großen Strauß roter Chrysanthemen haltend, die ihr vermutlich Ospe vor wenigen Stunden geschenkt hatte. Taspe war auch diejenige, die zunächst immer die Bedienungs- oder Aufbauanleitung las.
„Ich hab was gefunden!“, jappste Ospe als er voll beladen aus den Tiefen der Box auftauchte und angestrengt umständlich aus der Box kletterte. „Schau mal Taspe, ist das nicht schön?“
Er hielt einen blauen Strampler mit einer farbenfrohen Bärenapplikation, die sich im Folgenden als Puh, der Bär identifizierte, in den Händen. Wenn man dem Nachwuchs später auf den Bauch drückt, kann man Pawlow selbst testen. Ospe probierte schon immer lieber alles selber aus. „Probieren geht über studieren.“, sagte er. Die Sachen mussten sie nun aber erstmal auf gut Glück kaufen. Schöne Sachen waren das, die er von seinem Tauchgang mit an die Oberfläche brachte. Perlen gleichsam. Glücklich und zufrieden tippelten beide zur Kasse und zahlten, ehe sie im nächsten Café verschwanden – mit ihren Tüten voller kleiner Sachen; jedoch nicht, ohne mir ein Lächeln zu schenken. Ganz flüchtig im Vorbeigehen. Inzwischen kennen sie mein Gesicht und freuen sich, wenn wir uns zufällig begegnen. Wahlverwandtschaft oder so ähnlich.
Published on 9. März 2007 08:53.
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„Dann können sie ihn aber auch Dieter oder Detlef nennen.“, sagte Taspe.
„Eben das hab ich ihm ja auch gesagt. Holger, Dieter, Detlef, Pascal, alles eine Schublade.“, antwortete Ospe.
Heute traf ich sie endlich mal wieder. Ospe und Taspe. An der Bushaltestelle standen sie, ganz unerwartet. Sie unterhielten sich angeregt.
„Wie kommt denn ausgerechnet er auf einen französischen Namen, wo er die Franzen doch angeblich so gar nicht leiden kann?“„Ich weiß es nicht. Vermutlich leidet man unter Geschmacksverirrung. Die Hormone oder so.“, erwiderte Ospe auf Taspes Frage. „Aber es wurde höchste Zeit einzugreifen!“„Wieso?“, fragte Taspe neugierig.
„Nun ja: Er erzählte mir heute, sie würden den Zellhaufen schon beim Namen nennen.“
„Pascale! Brrr!“, Ospe verzog bei der Aussprache das Gesicht.
„Florian, Marcus, Simon, alles passable, brauchbare Namen.“
„Eben, das meine ich auch. Es wird ja wohl einen Namen geben, mit dem man leben kann.“
„Wenn sie jedenfalls nur einen Namen vergeben wollen, sollten sie es sich genau überlegen.“
„Du weißt ja nun aus eigener Erfahrung, wie schwer eine Namensänderung ist.“
Ach hör mal einer an, dachte ich. Ospe hatte offenkundig mal seinen Namen geändert. Erfolgreich gar. Ich hörte Taspe gerade noch sagen: „Gerade letztens hab ich eine Studie über den Zusammenhang zwischen Vornamen und späterem Lebenserfolg gelesen.“
„Pfft.“, machten die Türen und der Bus war weg. Ich wartete auf den nächsten. Meine Gedanken waren noch ganz bei den beiden: „Es wird also ein Junge.“, dachte ich laut und freute mich. Heut war also auch mein Tag gerettet bevor er überhaupt richtig begann.
Published on 1. Februar 2007 08:43.
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„Und was wird es nun, Ospe?“
„Ich weiß es nicht, Taspe!“, antwortete Ospe.
„Natürlich weißt du es. Er hat dich doch angerufen, er wollte es dir als ersten sagen. Sag schon, was wird es nun?“, bohrte Taspe. „Taspe sei ruhig. Ich weiß es nicht. Ich hab den Anruf verpasst.“
„Du lügst.“ "Nein ich lüge nicht.“, erwiderte Ospe sichtbar genervt.
Die beiden gingen ein stückweit vor mir. Bemerkten mich wieder nicht, wieso auch sollten sie? Können ja nicht ahnen, dass ihre Gespräche dokumentiert werden. Würde sie aber vermutlich selbst dann nicht interessieren. Es ging noch ein zweimal so hin und her zwischen den beiden, ehe Ospe es gelang die Aufmerksamkeit Taspes` auf ein Paar Pradaschuhe zu lenken. Sie wünschte sich die sogleich zu Weihnachten, denke ich. Zumindest starrte sie sie eine Weile an, gerade lang genug, um diesen Eindruck zu hinterlassen. Frauen sollen da ja sehr komisch im Sinne von merkwürdig sein. Sie unterhielten sich gerade über einen gemeinsamen Bekannten, genau genommen einem engen Verwandten, der dann auch sogleich anrief. Ospes Handy bimmelte, ich blieb noch den Moment dran, ein stückweit hinter ihnen.
„Ja? Ah, oh, und sonst? Alles gut? Wunderbar. Ja, dann mach das und grüß schön! Tschüß“
„Und? Und nun sag schon Ospe! Du weißt es jetzt.“
„Ja, Taspe. Ich weiß es und du nicht. Er hat es mir gerade gesagt. Eben gerade, du hast es ja mitbekommen.“
„Und was wird es?“
„Es wird ein … Ach tut mir leid jetzt hab ich es vergessen. Musst du ihn noch mal selbst fragen.“
„Du Arsch!“
„Ja find ich auch Taspe. Immer wieder gerne!“
Ospe küsste Taspe auf die Wange und flüsterte ihr liebevoll was zu. Ich konnte es nicht verstehen. Ich war ein stückweit zu weit weg. Taspe stutzte kurz und bekam große glasige Augen. Staunte wohl noch etwas mehr als bei den Schuhen. Lächelnd gingen beide davon. Arm in Arm. Für sie war es wohl bereits ein gelungener Tag. Mal sehen wann ich sie wieder treffe.
Published on 5. Dezember 2006 15:05.
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