0815

Die Sonne scheint diffus durch die Lamellen auf den Schreibtisch. Atem wirbelt Staub auf, der im Gegenlicht Romantik versprüht. Sprache konstruiert eine neue Wirklichkeit. Performanz. Austins Sprechakttheorie und ein Knoten, der nicht platzt. Unter dem Tisch eine Pfütze, die Beine zunächst taub, fielen ab, würde man sich auch nur einen Iota bewegen. Lähmung. Urin plätschert erst langsam – sammelt er sich zu einem reißenden Bach.

Schlotternde Boote aus schwerem Metall. Eine Armada stinkenderRaupen zieht in den Kampf. Fehler über Fehler zerstören alles. Die Lähmung dauert an und doch hat sich alles verändert. Ein Leben läuft immer weiter, bis zum Tod.

Phoenix

B|WARE:
Des Phoenix Schwingen über Afrika,

auferstanden aus den Höhlen
[Iden des März]!

Ka|ta|komben der Nacht,
Ruinen der Macht.

Gefahr lauert;
Feuerstürme bersten das Land.

Gewahr dem Liebsten Unterstand:

Theos schwingt sich den Felsen empor.
Zeus schaut aus dem Himmelstor;

er|trank [...]

Perspektivwechsel

Spät ist es geworden. Wir, hier draußen stehen im Regen. Sein Bett ist noch warm. Gleich wird er sich noch einmal hineinlegen, sich auf die andere Seite drehen und das Bettdeck weit über seinen Kopf ziehen. Er lässt uns im Regen stehen. Er ahnt nicht, wie unsere Kleidung durchnässt. Er ist müde und er wird jetzt schlafen. Wir hören ihn schnarchen. Leise fängt es an und steigert sich dann zu einem Grollen. Es regnet nicht mehr. Noch im Halbschlaf hört er es klingeln. Der Haufen im Bett bewegt sich, der Körper zuckt. Nochmal die Klingel. Er wartet ab. Zeit vergeht, doch es hört nicht auf zu klingeln. Ein nacktes Bein erscheint, zögerlich berührt der Fuß den leicht staubigen Boden. Er findet Halt und mit einem Ruck dreht sich der ganze Körper aus dem Bett. Wacklig steht er vor uns. Die Augen noch verschlossen vor dem Tageslicht, das gedämpft in das Zimmer kriecht. Schlürfend bewegt sich der Körper zur Tür, die mit zahlreichen Aufklebern übersät ist. Sie öffnet sich und der Körper liegt am Boden.

Es regnet. Ich muss noch schlafen, gehe gleich wieder ins Bett. Draußen regnet es. Es wurde spät, mir fehlt noch eine Stunde Schlaf. Ich lege mich noch einmal ins Bett, es wird dann noch warm sein, und ziehe mir das Bettdeck weit über den Kopf. Es wird angenehm gedämpft sein. Mein Atem staut sich an, kurze Zeit später werde ich eingeschlafen sein. Ich werde träumen. Jetzt träume ich. Es klingelt. Zuerst nur in meinem Traum. Doch es schafft den Sprung in die Realität. Ich wache auf. Ein Dröhnen im Kopf. Zögernd schiebe ich mein Bein unter dem Bettdeck hervor. Ich spüre den kalten staubigen Boden. Noch mit wackligen Beinen schlürfe ich zur Tür. Ich öffne Sie und wie im Traum falle ich um.

Dort lag er noch gerade eben. Das Bett normal groß. An der Wand ein Bild. Blau und schwarz. Das Bettdeck liegt zermürbt da. Schon kommt O. durch die Tür und steht nackt da. Er rührt sich nicht. Steht nur gedankenverloren im Zimmer da. Seine Augen – blau aber vollkommen leer. Ausdruckslos. Halt! Da, ein Blinzeln ein Zucken. Eine Spur der Verzweiflung. O. dreht sich um, will gehen und springt plötzlich – vollkommen unerwartet – zurück ins Bett. Er zieht sich die Decke über den Kopf und ist aus dem Bild verschwunden.

Sondereinsatz

Ihr sagt es!
Jetzt läuft er durch die Straße und zündet ein Haus nach dem anderen an. Wir hören Schüsse und Schreie. Ein Krieg des Wahnsinns ist im Kleinen entbrannt. Direkt vor unserer Tür.

„Bei einem Sommerregen sollte man nackt hinaus gehen!“
Er zog sich die Hosen aus, schaute in den Spiegel, zuckte die Schultern und ging aus dieser Tür – ich zeige direkt mit dem Finger auf ihr.

Seine Wohnung war für eine halbe Stunde leer. Mehrere Männer kamen herein und installierten Unmengen an Technik. Schon lange hatte er nicht mehr renoviert, was Ihre Arbeit erleichterte – geben Sie es ruhig zu!
————-“Es war ein leichter Job!“———-
Im SEK will niemand erkannt werden, doch die Vornamen will ich nennen: Marco, Felix, Sascha, Flo, Peter, Raimund, Detlev, Emil, Moritz, Alex und Valentin. Den Abend zuvor feierten sie den Abschied von einem vergessenen Kollegen. Ich brachte ihn um.

Gerade hören wir wieder einen Schuss. Sie erfahren erst später von der Trauer der Eltern, deren Kind leider etwas zu klein war. Bei dieser Größe jedoch war der Kopf unverfehlbar. Das Kind sackte auf dem nassen Asphalt zusammen, keuchte und fürchtete sich noch für einen kurzen Moment. Seine Qualen sind hier unbeschreiblich. Die Eltern trauern um ihren Anton. Unwissend, dass ein Polizist ihn aus Versehen getötet hat. Ihr Opfer war tot. Anton (9 Jahre) schloss seine Augen und war froh. Ein glückliches Kind.

Valentin, ausgerechnet der einzige Familienvater in der Truppe- wird an seinen Vorwürfen zerbrechen. Es begann wie so häufig mit Alkohol. Wir stießen alle gemeinsam an.

Mein Leben & Ich im gespiegelten Chaos des Wohlfühlgewichts

Man hat das Laufen nie gelernt und schon die Überschrift ließ erahnen, dass sich dieser Text in Kryptik verlieren wird. Womöglich wird er nicht einmal vollendet, doch ich beeile mich. Bemühe mich. Sich zu bewegen, nicht stehen zu bleiben ist ein angestrebtes Ziel, das man schnell – überhaupt nicht leichtfertig – doch unbemerkt, aus den Augen verlieren kann. In China fällt ein Sack Reis um. Niemand – ausser einem selbst, haut das um, dass genügt schon um aus der Bahn geworfen zu werden, doch das bekommt letztlich niemand mehr mit; einem selbst fehlt hierfür die Distanz, obwohl man noch am Schreibtisch in Europa sitzt, versteht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Doch plötzlich, hier: “Guten Tag, ich bin ein Fotograph!” *knipps* Fotographien sind radikal brutal. Sie eröffnen eines jeden Blick. Man schaut sich an. Fängt an zu laufen an. Trifft einen anderen Mann. Fällt um. Steht auf. Rennt weiter. Und schaut in das Auge eines Orkans. Strudel versenkt. Zucker verbrannt. Feuer geflammt. Man bricht zusammen.
Gefahr gebannt. Zauberhand.